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Rotbraune Stendelwurz

Epipactis atrorubens

  • Familie: Orchideengewächse – Orchidaceae
  • Wuchsform: Mehrjährige krautige Pflanze. Wurzelstock kurz, aufrecht.
  • Höhe: 20–50 cm. Stängel oft violett gefärbt, am Oberteil behaart.
  • Blüte: Blütenhülle zweiseitig symmetrisch, dunkel rotbraun – dunkel purpurrot, selten grünlich, ca. 10 mm breit. Sechs Blütenblätter in zwei Wirteln, von denen eines als Lippe ausgebildet ist. Lippe am Unterteil der Blütenhülle, ohne Sporn, auf halber Länge vom Klemmkörper geteilt, am Grund tassenförmig. Androeceum und Gynoeceum zur Säule miteinander verwachsen, ein Staubblatt, zwei Narben. Blütenstand eher lockere halbseitige Traube mit 6–30 Blüten. Blüte mit Vanilleduft. Die Deckblätter der Blüten sind für gewöhnlich kürzer als die Blüten.
  • Blätter: Wechselständig, beinahe in zwei Reihen, sitzend, 5–11 Stück, zum Zweigende hin kleiner werdend. Blattspreite länglich–lanzettlich, parallelnervig, ganzrandig, blaugrünlich.
  • Frucht: Nickende Kapsel, Samen fein wie Staub.
  • Standort: Felsen, Schotterflächen, Sandufer, Wegränder und Kalkgruben.
  • Blütezeit: Juli–August.

Außer auf Åland ist die Rotbraune Stendelwurz in ganz Finnland geschützt.

Felsen und Schotterflächen erscheinen auf den ersten Blick vielleicht nicht als sehr verlockende Stellen, um nach seltenen Orchideen zu suchen. Die Rotbraune Stendelwurz ist dennoch eine ausgesprochene Pflanzenrarität und auch eine sehr typische Pflanze für offene, trockene und sonnenbeschienene Stellen – in Finnland gibt es nur sehr wenig für sie geeignete Felsen. Das Gestein des Felsens muss nämlich kalkhaltig sein, da die Rotbraune Stendelwurz Kalk benötigt. Am meisten gibt es davon in Nordostfinnland in Kuusamo, in den Kalkgebieten von Nordkarelien und im Nationalpark von Oulanka auf dem Salla. Man erwartete, dass die Rotbraune Stendelwurz auch an den Wänden von geeigneten Kalkgruben auftauchen würde, sie hat die Pflanzenfreunde jedoch dadurch überrascht, dass sie neue Standorte vereinzelt an Straßenrändern eroberte, wo im Bausand Kalk enthalten war. Heutzutage sind solche vom Menschen geschaffene Standorte in ganz Südfinnland bekannt. Die Suche nach neuen Pflanzenbeständen lohnt sich, da die Art eine der schönsten finnischen Orchideen ist, groß und bei der Blüte sehr auffallend. Die dunkle Färbung schützt die Pflanze offensichtlich vor den Schäden durch zu viel UV-Strahlung der Sonne an den von ihr bevorzugten offenen Standorten.

Die dunkelrote Farbe der Blüten und der angenehme Vanilleduft locken als Bestäuber besonders solitär lebende kleine Wespen, auf die sich diese Stendelwurzart wohl spezialisiert hat. Die Samen sind auch bei dieser Orchidee winzig klein und der Wind kann sie leicht kilometerweit tragen – starke Sturmböen sogar mehrmals rund um den Globus. In der Pflänzlingsphase ist der Keim der Orchidee völlig von Pilzen abhängig und er verbringt die ersten Lebensjahre als Protodorm unter der Erde. Die Entwicklung zur ausgewachsenen, blühenden Pflanze dauert von der Keimung an ungefähr ein Jahrzehnt.

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