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Schwarzes Bilsenkraut

Hyoscyamus niger

  • Familie: Nachtschattengewächse – Solanaceae
  • Wuchsform: Allgemein mehrjährige krautige Pflanze.
  • Höhe: 15-100 cm. Stängel wenig verzweigt, dicht mit Blättern besetzt, klebrig, dicht behaart.
  • Blüte: Etwas zweiseitig symmetrisch, 2-3 cm breit. Fünf bräunlichgelbe, gewöhnlich blaurot-adrige Blütenblätter. Blumenkrone breit trichterförmig, kurzröhrig, Schlund dunkel. Fünf miteinander verwachsene Kelchblätter. Kelch glockenartig, in der Fruchtphase geschwollen, Lappen zu Stacheln verhärtend. 5 Staubblätter, mit dem Trichter der Blumenkrone verwachsen. Das verwachsenblättrige Gynoeceum ist zweizählig. Der Blütenstand ist eine dichte Rispe. Blütenstand dichtes Dichasium.
  • Blätter: Länglich, grob gezähnt-zweigeteilt. Rosettenblätter gestielt, Laubblätter stängelumfassend. Blätter wechselständig.
  • Frucht: Durch den Kelch geschützte Deckelkapsel
  • Standort: Brachland, Wegränder, Höfe, Gärten, Erdhaufen, Felder, Kirchhöfe, Ruinen, Häfen, Mühlen.
  • Blütezeit: Juni-September.

Das Schwarze Bilsenkraut wächst oft in der Umgebung alter Ansiedlungen oder Befestigungen. Seine Samen können über sehr lange Zeit ihre Keimfähigkeit bewahren: Es wurde festgestellt, dass die Samen des Schwarzen Bilsenkrauts ihre Keimfähigkeit sicher über 118 Jahre und wahrscheinlich noch viel länger bewahrt haben. Die Samen bedürfen zum Keimen hoher Temperaturen und schon eine leichte Beschattung verhindert das Keimen. Wenn das Erdreich gewendet wird, erwachen die Samen aus ihrem Dornröschenschlaf. Im ersten Jahr entwickelt das Schwarze Bilsenkraut eine große Grundrosette, die auf den ersten Blick an einen Kohl erinnern kann – die Klebrigkeit der Drüsenhaare an den Blättern, die ins Auge stechende einfache Behaarung und der eigenartige Geruch bringen jedoch auch einen weniger mit Pflanzen Bewanderten bald auf andere Gedanken. Im zweiten – und letzten – Lebensjahr blüht die Pflanze. Dann sind die Blätter der Grundrosette verwelkt. Die gelb-braunen-schwarzbunten Blüten locken wahrscheinlich hauptsächlich Schmeißfliegen an, um die Pflanze zu bestäuben. Im besten Falle reifen in den vasenförmigen Kapseln zehntausende von Samen heran, die allmählich in die Umgebung ausfallen.

Das Schwarze Bilsenkraut ist außerordentlich giftig. Die gesamte Pflanze enthält u. a. giftiges, zu den Tropanalkaloiden gehörendes Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin und in den Samen noch eine ganze Schar weniger gefährlicher Alkaloide. Das Schwarze Bilsenkraut war so auch im Mittelalter ein Favorit der Giftmischer, gleich nach dem Eisenhut. Eine leichte Vergiftung verursacht auf Verrücktheit hinweisende Symptome. So manche auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbrannte Frau hatte vielleicht Schwarzes Bilsenkraut genossen und daran geglaubt, fliegen zu können oder den Teufel getroffen zu haben. Obwohl das Schwarze Bilsenkraut außerordentlich giftig ist, sind seine medizinischen Eigenschaften schon seit Jahrtausenden bekannt. Die Pflanze wurde besonders bei chirurgischen Eingriffen als notwendiges narkotisches Mittel geschätzt. Man glaubte, dass das Schwarze Bilsenkraut bei vielerlei Beschwerden wirke, von der Seekrankheit bis hin zu Ohrenschmerzen und von Rheuma bis zu Zahnschmerzen. Die Wirkstoffe der Pflanze sind noch immer wichtige Medikamentenbestandteile: Scopolamin wird in Pflastern gegen die Reisekrankheit eingesetzt und Atropin seinerseits gehört zur Standardausrüstung der Augenärzte.

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